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  • Antonia Joussen

Kammermusikfestival SPIELENDE INSEL vom 1. bis 4. September 2022 auf Rügen



Zum dritten Mal haben wir Kammermusik nach Rügen gebracht – mit, wie der NDR vorab vermeldete, einem faszinierenden, originellen Programm und mitreißenden jungen Musikern aus Deutschland, Italien/Dänemark, Rumänien, Korea, und Russland.


Proben auf Gut Vaschvitz im Gutshaus


Wie auch schon im Vorjahr haben sie zusammen mit zwei Stipendiaten auf Gut Vaschvitz bei Trent zusammen gewohnt und ein kammermusikalisches Programm von der Klassik über die Romantik zur Moderne erarbeitet. Erneut lag die Musikalische Leitung des Festivals bei Catalin Serban, der selbst auch als Pianist mehrere virtuose Auftritte meisterte.



Die Mitwirkenden waren ausnahmslos international bekannte Musiker:

Nicolas Dautricourt (Violine), Suyeon Kang (Violine), Razvan Popovici (Viola), Andrei Ionita und Paolo Bonomini (Cello), Tommaso Lonquich (Klarinette), Violetta Khachikjan und Catalin Serban (Klavier). Sie alle spielten – und das hat das Programm so spannend und abwechslungsreich gemacht - in ganz unterschiedlichen Formationen zusammen.

Beim sonntäglichen Familienkonzert kamen noch die Schauspielerinnen Carmen Maja Antoni (ehem. Berliner Ensemble) und ihre Tochter Jennipher Antoni dazu. Holger Teschke, Autor und Dramaturg, führte mit kostbaren literarischen Trouvaillen im Dialog mit der Pianistin Violetta Khachikjan durch die Matinee auf Gut Vaschwitz.

Auch die Stipendiaten Benjamin Günst (Violine), und Arnold Stieve (Viola) waren mehrfach aktiv und haben ihre Einsätze mit Bravour gemeistert. Applaus!

Paolo Bonomini (Cello) und Suyeon Kang (Violine)


Das Eröffnungskonzert im Theater Putbus am 1. September war gut besucht und begeisterte die Zuhörer durch hohe musikalische Qualität, gepaart mit sichtbarer Musizierfreude der Musiker. Nach dem Mozart Klavierquartett folgten zwei Werke von Debussy: die Rhapsodie Nr.1 für Klarinette und Klavier gefolgt von „La Mer“ für Klavier vierhändig – eine Reminiszenz an die Insel und das Meer. Nach der Pause begeisterte das Klavierquintett f-Moll Op.34 von Johannes Brahms, der ja in Saßnitz komponiert hat und von dem überliefert ist, dass der eine seiner Symphonien an den WIssower Klinken „aufgehängt“ habe. Der NDR hat auch über dieses Konzert berichtet.


https://www.konzertleben.de/ndr-mittschnitt



1. Bild: Tommaso Lonquich und Violetta Khachikjan, 2. Bild: Catalin Serban und Violetta Khachikjan


Am Freitag stand das zweite Abendkonzert im Theater Putbus unter dem Motto „Musik und Frieden“. Was könnte derzeit eine größere Aktualität haben? Eindrucksvoll dargeboten wurde „L´Histoire du soldat“ von Stravinsky, ein Werk, das den Pakt des Menschen mit dem Teufel und die Folgen musikalisch beschreibt. Suyeon Kang und Catalin Serban boten im Anschluss die Violinsonate A-Dur von César Franck - auch ein eher selten gespieltes Werk von absoluter Schönheit, das insbesondere pianistisch einiges abverlangt. Im perfekten Zusammenspiel ließen beide Künstler die Melodien schweben. Das Mendelssohn Klaviertrio in d-Moll Op. 49 bildete den Abschluss eines wunderbaren Abends.


Der Samstag stand mit zwei Konzerten auch unter dem genius loci:

„Das romantische Schloss“ – ein wunderbares Kammerkonzert für Streicher und Klarinette auf Schloss Hohendorf bei Stralsund. Hier durften wir wieder in den eleganten Räumen von Schloss Hohendorf zu Gast sein. Gespielt wurde Sibelius Duo für Violine und Viola, und Webers Klarinettenquintett B-Dur Op.34 und von César Franck das Streichquartett D-Dur. Das Publikum hat den gelungenen Nachmittag sichtbar genossen.


Am Abend ging es im Theater Putbus mit „Spätromantik im Spätsommer“ weiter: Die „Märchenbilder“ für Viola und Klavier Op. 113 von Robert Schumann wurden von Razvan Popovici und Catalin Serban vorgetragen. Bei Brahms Klarinettentrio Op. 114 hatte der Starklarinettist Tommaso Lonquich seinen großen Auftritt zusammen mit Paolo Bonomini (Violoncello) und Catalin Serban (Klavier). Nach der Pause krönte das selten zu hörende Klavierquartett Nr. 1 D-Dur Op. 16 von George Enescu den Abend. Dieses schwierige Werk boten Nicolas Dautricourt (Violine), Razvan Popovici (Viola), Andrei Ionita (Violoncello) mit Catalin Serban (Klavier) in all seinen Facetten dar.



Leider war der Sonntag schon der letzte Spieltag unserer „Spielenden Insel“.

Das erste der drei Konzerte war die Matinee in der Kunstscheune Vaschvitz. Violetta Khachikjan spielte „Lieder ohne Worte“ von Schubert, Mendelssohn, Hensel, Grieg und Liszt im Wechsel mit Gedichten und Erzählungen vom Meer mit literarischen Zeitbezügen, auch diesmal klug ausgewählt und professionell dargeboten von Holger Teschke.




Dietmar Gebert und Tochter Camilla Gebert-Schroeder empfingen die Konzertbesucher bei sonnigem Spätsommerwetter mit Sekt und Getränken. Ein wunderbarer Auftakt zu den weiteren Konzerten des Tages.


Beim Familienkonzert im Theater Putbus stand die Peer Gynt Suite mit Texten von Hendrik Ibsen, vertont von Edvard Grieg, ganz im Zentrum. Die bekannten Berliner Schauspielerinnen Carmen Maja und ihre Tochter Jennipher Antoni trugen Texte zu fünf Bagatellen von Dvorak vor und erläuterten einem interessierten Publikum die Vertonung der tschechischen Volksmelodien und Märchen. Im zweiten Teil ging es um die wohl bekanntesten Orchesterstücke der romantischen Musik, die Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg aus der Schauspielmusik „Peer Gynt“ zum gleichnamigen dramatischen Gedicht von Henrik Ibsen. Die beiden A ntonis trafen für Eltern und Kinder den richtigen Ton, als sie erklärten, wie Peer Gynt, der verwöhnte Bauernsohn, mit erfundenen Geschichten versucht, aus seinem echten Leben auszubrechen – ein Schelmenstück mit düsterem Ausgang - immer noch ein aktuelles Motiv für Kinder und Jugendliche und ihrem Drang zu einem anderen Leben.


Den Höhepunkt des Festivals war das Abschlusskonzert am Sonntagabend im Theater Putbus. Staatssekretär Heiko Miraß begrüßte das Publikum in Vertretung der Schirmherrin Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und betonte die Unverzichtbarkeit von Kunst und kulturellem Schaffen – man konnte das als Commitment auch seitens der Region für künftige Aktivitäten verstehen.

Alle Künstler waren noch einmal beteiligt: Nicolas Dautricourt, Suyeon Kang, Razvan Popovici, Paolo Bonomini, Andrei Ioniță, Benjamin Günst, Arnold Stieve, Violetta Khachikjan und Catalin Serban. Das Konzert wurde mit dem Klavierduo Op.66 1&2 von Robert Schumann eingeleitet, gefolgte von Soltan Kodalys Duo für Violine und Cello, Op.7/1, und den Bagatellen Op.47 3&5 von Antonin Dvorak, die am Nachmittag auch erklärt wurden. Wunderbare Klänge gab es dann auch bei Schumanns Klavierquartett Op.47. Aufmerksame Besucher haben sich vielleicht auch an die Aufführung dieses großartigen Werkes im Frühjahr erinnert und konnten die eine oder andere Melodie wieder mitnehmen.



Nach der Pause war das berühmte Streichsextett Op 70 von Tschaikowski: „Souvenirs de Florence“ zu hören. Die Streicher überzeugten erneut durch ein sauberes wohl abgestimmtes Spiel und akzentuierte Tempi. Das Zuhören war rundum ein Genuss - für alle Sinne.



Dank gebührt neben allen phantastischen Musikern in erster Linie Catalin Serban. Als künstlerischer Leiter hat er die Musiker ausgewählt und nach Rügen gelockt und für sie ein äußerst kenntnisreich zusammengestelltes, passendes Programm entwickelt.

Darüberhinaus hat er sich über ein Jahr lang für alle Belange des Festivals mit viel persönlichem Einsatz engagiert.


Im Vorfeld haben wir viel Unterstützung erfahren durch Rüganer Unternehmen und Betriebe. Allen voran ist zu danken Jürgen Hinze mit seinem Team von Rügendruck, der uns in der Vernetzung auf der Insel geholfen und unsere Plakate und Flyer verteilt hat. Konstanze Eggert vom Autohaus Eggert war so großzügig, uns ein großes Auto für die vielen Fahrten zwischen den Spielstätten gratis zu überlassen. Das hat unsere Logistik sehr vereinfacht.


Nils Peters von der Bäckerei Peters hat in seinen Filialen Plakate aufgehängt, uns mit leckeren Speisen versorgt und uns täglich die Brötchen spendiert.

Dietmar Gebert und seine Tochter Camilla Gebert-Schroeder haben uns kostenfrei wohnen lassen auf ihrem Gut Vaschvitz. Wir durften in dieser wunderbaren Umgebung proben, arbeiten, und auch einen lustig-entspannten Grillabend im Park am Wasser verbringen.


Ohne die wunderbare Kulisse des schönen Theaters in Putbus hätte unser Festival nicht diesen charakteristischen Charme. Der Theaterdirektor Peter Gestwa stand uns stets helfend zur Seite, aber ohne Frau Ines Gebler wäre die Planung viel schwieriger gewesen – sie ist die gute Seele des Theaters Putbus !


Die vielen schönen Photographien verdanken wir Christoph Gebler – ich wusste, dass er herrliche Naturaufnahmen und Bilder von der Insel macht – er hat aber auch einen guten Blick für den musikalischen Moment und unsere Künstler mit Schwung und in Aktion gezeigt.


Ohne die EWE Stiftung, die Ehrenamtsstiftung M-V und die Unterstützung des Landkreises Rügen wäre die finanzielle Lücke für den Verein noch größer geworden. Wir danken auch allen privaten Unterstützern und Spendern, ohne die ein solches Festival nicht hätte stattfinden können.


Dank auch an Margarete Schwind (Schwindkommunikation), die das doch sehr weitreichende Amt unserer Pressesprecherin und Beraterin ehrenamtlich übernommen hat.


Mit einem Abschlussbild unserer gut gelaunten Künstler möchten wir uns von der „Spielenden Insel“ verabschieden und hoffen, Ihnen im kommenden Jahr erneut Kammermusikserien mit wunderbaren Künstlern präsentieren zu können.



Für den Vorstand von Konzertleben e.V.


Antonia Joussen

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