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Spielende Insel 2023: Feature im "Orchestergraben"


Einfach Klassik.


Seiji Okamoto Violine, Veriko Tchumnuridze Violine, Ella van Poucke Violoncello, Max Vogler Oboe, Mario Häring Klavier, Sofiko Tchumburidze Violine, Karolina Errera Viola, Catalin Serban Klavier, Nilay Özdemir Viola, Brayn Cheng Violoncello. © Christoph Gebler, Putbus


Kammermusik-Festival „Spielende Insel“ auf Rügen

Ein Gastbeitrag von Ekkehard Ochs - 7. September 2023


Das Anliegen ambitioniert, der Aufwand erheblich, die Resonanz ausbaufähig! Die Rede ist vom nunmehr 3. Jahrgang des Kammermusikprojektes „Spielende Insel“, mit dem der Berliner Verein „Konzertleben e. V.“ auf der mit höchst attraktiven Musikangeboten schon reichlich versehenen Insel Rügen Fuß zu fassen versucht. Nicht ohne Erfolg, auch wenn zur festeren beruflichen Etablierung des auf Förderung bereits exzellenter (Hochschulabschluss), freischaffender Musiker*innen ausgerichteten Konzepts noch mancher weitere Schritt gegangen werden muss.


Mit der nun erfolgten dritten Ausgabe konnte diesbezüglich Boden gutgemacht werden: acht Konzerte an fünf Tagen (30. August bis 3. September), zehn Mitwirkende, die – alle vielfach eingesetzt – mehr als drei Dutzend Werke von 25 Komponisten präsentierten. Die Zahlen verdeutlichen, dass dieser Beitrag auch ungeachtet größten Anreizes die Einzelleistung unberücksichtigt lassen muss. Dafür darf mit ruhigem Gewissen ein Pauschalurteil gefällt werden: alle durchweg international wettbewerbsgestählten und vielfach ausgezeichneten Mitwirkenden erwiesen sich als hervorragende Instrumentalisten, mehr noch – und schwerwiegend! – als Musiker*innen mit herausragenden, beeindruckenden Gestaltungsfähigkeiten. Da ist in der Zusammenstellung dem Pianisten und Künstlerischen Leiter des Projekts „Spielende Insel“, Catalin Serban, ein wahrer Coup gelungen.


< Max Vogler Oboe, Veriko Tchumnuridze Violine, Foto © Christoph Gebler, Putbus


Nur wenige Tage gemeinsamer Probenarbeit reichten, um den Konzertbesucher*innen den Eindruck eines lange gemeinschaftlich erprobten, natürlich hochprofessionellen Musizierens zu vermitteln. Der jeweils entsprechende Erfahrungsschatz war so offensichtlich wie in seiner Souveränität beeindruckend; nicht minder der ungemein differenzierte Umgang mit den Aspekten des Agogischen, der Dynamik und Artikulation. Höchstnoten auch für die Tonqualität. Immerhin musizierten zwei der Geiger*innen auf Instrumenten von 1702 beziehungsweise 1756 und die Cellisten gar auf solchen von 1620 (Maggini) und 1699 (Stradivari). Dazu kommt eine bemerkenswerte Spieltechnik, ein Staunen machendes, perfektes Zusammenwirken und eine alle jeweils Musizierenden geradezu zusammenschweißende, faszinierend präsentierte Empfindungsfähigkeit.


Zu danken war dies alles – und hier dürfen zumindest die Namen nicht fehlen – den Geiger*innen Seiji Okamoto, Veriko und Sofik Tchumburidze, den Bratschistinnen Nilay Özdemir und Karolina Errera, den Cellist*innen Ella van Poucke und Bryan Cheng sowie dem Oboisten Max Vogler und den Pianisten Mario Häring und Catalin Serban. Ihnen allen war auch in den unterschiedlichsten Besetzungen eine Musiziergestik eigen, die auch schärfste Kontraste architektonisch schlüssig in größere Zusammenhänge zu stellen vermochte, von vielfältiger stilistischer Kompetenz bestimmt war und im Übrigen gestalterische Prägnanz mit geradezu suggestiver Wirkung verband. Was angesichts der Ansprüche eines so umfangreichen wie überaus differenzierten Programms einiges heißen wollte. Gradmesser auch hier: die musikalische Qualität der Stücke sowie eine Auswahlbreite, die dem weniger Bekannten, dem weniger Maßstäbe Setzenden viel Raum bot und damit auch hinsichtlich der Besetzungsvielfalt wie dem künstlerischen Anspruch des jeweiligen Werkes Kennenlerneffekte und Sichterweiterungen bot. Da dürfte Vieles in Erinnerung bleiben.



< Seiji Okamoto Violine, Catalin Serban Klavier, Karolina Errera Viola, Ella van Poucke Violoncello, Foto © Christoph Gebler, Putbus


Etwa Vivaldi und Bach (u.a. Doppelkonzert BWV 1060) vor allem hinsichtlich hinreißend musikantischen, historisch orientierten Spiels. Aber auch manche AHA-Effekte bei bemerkenswert attraktiven, weil phantasievoll und ausdrucksstark komponierten Duo- und Trio-Streicherstücken von Haydn, Mozart, Beethoven, Martinu, Kodaly, Enescu, Francaix und Kaija Saariaho oder mannigfaltige Duo- und Trio-Kombinationen von Klavier und Streichern, wie sie Clara und Robert Schumann, Lili Boulanger, Michaela Catranis, Richard Strauss (Violinsonate op. 18), Rebecca Clarke (Viola-Sonate) und Mendelssohn Bartholdy (Cellosonate op. 45) vorgelegt haben; übrigens auch Schauplätze besonderer pianistischer Leistungen, denen Solobeiträge von Schumann und Brahms noch hinzuzufügen wären! Nicht zu vergessen die Oboe mit Britten (Solo-Metamorphosen), Mozart (Quartett KV 370) und Hindemith (Oboensonate). Und dann waren da noch die großen Gänsehaut-Momente mit Schubert (Klaviertrio op. 99), Rachmaninow (Trio élégiaque, 1. Streichquartett), Brahms (Klavierquartett op. 25), R. Strauss (Klavierquartett op. 13), Dvořak (Klavierquintett op. 81) Debussy (Streichquartett) und Schostakowitsch (2. Klaviertrio op. 67), mithin Aufführungen von unerhörter musikalischer Dichte, fesselnder Stringenz und einem musikantischen Schwung, der das Publikum bei „Spielende Insel“ nach jedem Konzert zu begeistertem Beifall hinriss.


Ob Klinikumskirche (Stralsund), Kunstscheune Vaschvitz, das Hotel Badehaus Goor, Schloss Ralswiek oder das ehemalige Fürstliche Schauspielhaus und heutige Theater zu Putbus – Orte wie Programme waren gut gewählt und dürften auch unter dem Aspekt, dass weiterer Publikumszuwachs wünschenswert (und sicher auch notwendig) wäre, Garantien für eine erfolgreiche Fortführung des Projekts bieten. Hinsichtlich der künstlerischen Qualität des Gebotenen blieben jedenfalls keine Wünsche offen.



< Catalin Serban Klavier, Veriko Tchumnuridze Violine. Foto © Christoph Gebler, Putbus

Frau Prof. Dr. med. Antonia M. Joussen (Charité Berlin), Gründerin des veranstaltenden Vereins (2020) und seitdem ihr höchst aktiver, guter und stets vor Ort agierender Geist, bestätigte das auf Anfrage. Sie hob insbesondere die Leistung ihres Künstlerischen Leiters Catalin Serban für „Spielende Insel“ hervor, der hinsichtlich der Auswahl der Mitwirkenden und der Zusammenstellung des Programms das sprichwörtliche glückliche Händchen bewiesen habe und das Ganze „zu einem Hochgenuss für alle Sinne“ hat werden lassen. Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen außer dem Dank an die unabdingbaren Rügener Sponsoren, an ein vielversprechend hochmotiviertes Publikum und dem Wunsch, der künstlerische Erfolg des diesjährigen Musikfestes möge sich weiter herumsprechen und damit die Basis für weitere Aktivitäten sichern.



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